SUNwalk

Priorität und Gehen-lassen

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Martin Vosseler

Warum lasse ich alles andere liegen und bin so lange zu Fuss unterwegs – gehen lassen, um zu gehen? Für mich gibt es eine Priorität, die alle anderen Herausforderungen weit zurücklässt: Den einzigartigen Planeten bewohnbar zu erhalten. Dies erfordert eine schnelle, vollständige Energiewende, hin zu 100 % erneuerbaren Energien und Energieeffizienz.

Ein Navajo-Indianer schreibt mir auf ein Interview in der Navajo Times hin: «Die meisten Menschen sind immer noch mit so viel anderem beschäftigt. Darum denken sie nicht an die wichtigste Herausforderung von heute – die Ursachen für die Klimaveränderungen zu beheben.» Wir sind im Energiebereich mitten im Wandel von zentraler Monopolwirtschaft zu weltweiter Energie-Demokratie: Mit der Zeit werden die meisten Menschen die Energie dezentral und direkt von der Sonne beziehen – auf einem viel niedrigeren Energie-Niveau als heute, dank bester Energieeffizienz.

Dieser Wandel ist unumgänglich: Die Klimaveränderungen sind für die Menschheit ähnlich bedrohlich wie eine arterielle Blutung für ein Individuum. Diese erfordert nur eines: Sofortige, 100 %-ige Blutstillung. Alles andere, nicht Lebensbedrohliche muss warten. Gespräche mit zahlreichen Menschen hier machen Mut: Endlich sind Klimaveränderungen und Gegenmassnahmen im Bewusstsein beinahe aller Menschen, denen ich begegne. Es braucht nun grosse Anstrengungen für die Umsetzung der Energiewende. Wir alle haben die Möglichkeit, hier die wichtigste Priorität zu setzen und mit Einkaufen, Reisen und Transportieren, Bauen und Sanieren, Berufswahl und Freizeitgestaltung die Energiewende zu fördern. Es funktioniert: Vor einem Jahr hat uns die Sonne dank 2 hoch effizienten Elektromotoren mit der durchschnittlichen Energie von 1700 Watt – die Energiemenge, mit der ein Haarfön betrieben wird – über den Atlantik transportiert – incl. 5 erwachsene Männer, 11-Tonnen-Boot, 5 Computer, alle Instrumente, 14 Lichter, Kühlschrank und Satellitentelefon.

Das Wandern erfordert auch das Setzen von Prioritäten, das Gehenlassen von Überflüssigem. Da ich alles mit eigener Körperkraft transportiere, werde ich sehr wählerisch mit Gepäck. Stufenweise wird das Gewicht reduziert. Ich lerne zu unterscheiden, was ich dringend zum Leben brauche («must have») und was zwar angenehm, aber entbehrlich ist («nice to have»). So hat sich mein Gepäck seit meiner Abfahrt bereits halbiert.

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Der SUNwalk erleichtert das Setzen von Prioritäten: Da ist ein Ausgangsort, ein Ziel – fast ein Jahr ohne feste Abmachungen. Entscheidungen betreffen zwar Details der Route. Auch: Soll ich warten, bis das Wetter wieder aufhellt? Soll ich campieren oder bis zum nächsten Hotel laufen? Soll ich meditativ meinen Geist öffnen, leeren oder soll ich an Freunde, Projekte denken, singen, Gedichte repetieren? Jedoch, Rahmen und Inhalt sind gesetzt.

Wir alle sind aufgerufen, Prioritäten zu setzen und Überflüssiges gehen zu lassen – zu unserem Wohl, zum Wohle unseres Planeten.

Martin Vosseler
www.martinvosseler.ch
vossolar@gmx.net

Letzte Aktualisierung ( 25.03.2008 )
 
  
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